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12.10.2011

"Kunst der Aufklärung" im Martin-Gropius-Bau

DiskussionsrundeAm Mo., den 10.10. fand im Martin Gropius Bau in Berlin eine Veranstaltung des Senders ARTE zum Dokumentarfilm "Bilder einer Ausstellung - China und die Aufklärung", mit anschließender Diskussion statt.

Die 52 minütige Dokumentation verfolgt dabei kritisch die Entstehung der Ausstellung "Kunst der Aufklärung" der Museen Berlin, Dresden und München, die seit April im chinesischen Nationalmuseum am Platz des himmlischen Friedens in Peking zu sehen ist.

Der Film geht ausführlich auf die inhaltliche Konzeption der Ausstellung ein, mit Interviews der Generaldirektoren der drei beteiligten deutschen Museen. Ebenfalls zu Wort kommen Kuratoren der deutschen und des chinesischen Museums. Darüber hinaus wird in Gesprächen mit Kunststudenten und Galeristen über die Situation der bildenden Kunst in China berichtet.
Auch kritische Seiten werden beleuchtet, wie die Verhaftung des chinesischen Künstlers Ai Weiwei am Tag nach der Eröffnung der Ausstellung und es wird die Frage gestellt, wie sinnvoll eine Ausstellung über Aufklärung in einem autoritären Staat an einem Ort ist, der traurige Bekanntheit für die blutige Niederschlagung von Studentenprotesten bekannt erhalten hat.

In der folgenden Diskussion sprachen der Regisseur des Films, Hr. Schwerfel sowie Herr Ruitenbeek, Direktor des Museum für Asiatische Kunst in Berlin und Alexander Ochs, Galerist in Berlin und Peking über die Hintergründe des Films. Es wurden die Schwierigkeiten bei der Filmproduktion mit den Behörden vor Ort, die übertriebenen Vorstellungen von einer Nachwirkung des Projektes in China und die politische Dimension der Ausstellung im chinesischen Nationalmuseum besprochen. Kritisiert wurde die Nähe zur Politik und die naive Herangehensweise der Deutschen. Vom Publikum kam Kritik, dass im Film keine chinesischen Dissidenten zu Wort kamen und die Problembereiche nicht ausreichend angesprochen wurden.

Die Dokumentation wird am Mo., den 24.10.2011 um 22:40 Uhr in ARTE gezeigt und ist sieben Tage in der Mediathek zu sehen.
>> Fotos der Filmpremiere und Links zu Videoausschnitten mit Statements der Podiumsgäste

25.01.2010

SO SORRY - Ai Weiwei im Haus der Kunst in München

Anlässlich der neuen Ausstellung Ai Weiweis in der Tate Modern in London, hier ein kurzer Post zur Ausstellung des, in China sehr bekannten aber auch umstrittenen Künstlers Ai Weiwei (艾未未) im Haus der Kunst vom März 2009 bis Januar 2010.

Bereits die Außenfassade des Kunsthauses gab beredten Eindruck von Ai Weiweis Kunst. Ihre Tiefe und Bedeutung wird dem Betrachter aber erst bewusst, wenn ihm auch der Hintergrund des Werkes bekannt ist.

Bei besagtem Kunstwerk an der Außenfassade handelt es sich um den chinesischen Satz "Sie lebte sieben Jahre glücklich auf dieser Welt." [chin.: 她在这个世界上开心地生活了七年 (Ta zai zhe ge shijie shang kaixin de shenghuo le qi nian)]
Der Satz stammt von einer Mutter, die erfuhr, dass sie beim großen Erdbeben von Sichuan 2008 ihre Tochter beim Einsturz der örtlichen Schule verlor hatte.


Der Hintergrund ist folgender: Während des großen Erdbebens waren besonders viele Grundschulen eingestürzt, zum Teil als einziges Gebäude im ganzen Ort, was auf schlampige und mangelhafte Bauqualität zurückzuführen ist.
Anstelle zu versuchen, die Kinder in den Schulen zu retten, schafften die anrückenden Rettungsteams jedoch heimlich deren Leichname aus den Trümmern der Schulen und ließen diese verschwinden. Zudem entfernten sie die Namensschilder der Kinder aus den Rucksäcken, damit die Eltern später keine Schadensersatzansprüche an die Gemeinde stellen konnten.

Um dieser Perfidität Ausdruck zu verleihen, ließ Ai Weiwei einen Vorhang aus Rucksäcken in verschiedenen Farben fertigen, welcher den oben genannten Satz wiedergibt. Die Rucksäcke dienen hierbei als Sinnbild für all die Rucksäcke der Kinder, die bei dieser Katastrophe unnötiger weise zu Tode kamen.

Ai Weiwei wurde bei seinen Nachforschungen zur Vorbereitung dieser Ausstellung in der Erdbebenregion in Sichuan von örtlichen Polizeibeamten so stark verprügelt, dass er eine Hirnblutung erlitt und später, als er sich für die Arbeiten im Haus der Kunst in München befand, zusammenbrach und nur durch eine Notoperation gerettet werden konnte. Das Poster am Anfang zeigt Ai Weiwei nach der Operation, bei der ihm die Haare auf dem Mittelkopf abrasiert wurden.

Diese bewegende Ausstellung, die sich in vielen ihrer Objekte mit dem Erdbeben in Sichuan auseinandersetzte, zeigte das vielseitige Schaffen dieses außergewöhnlichen chinesischen Künstlers.

Wie sehr sich Ai Weiwei auch mit der Geschichte des Ausstellungsortes beschäftigt, zeigt der Teppich, den er speziell für das Haus der Kunst hatte anfertigen lassen. (Siehe Foto, erste Reihe sind noch Steinplatten, die folgenden sind Teppichfliesen.)
Nachdem das Ausstellungsgebäude, noch als "Haus der deutschen Kunst", während des 3. Reiches eingeweiht wurde, diente es den Nationalsozialisten als Aufmarschplatz. Im Mittelraum hallte das Stiefelgeräusch der marschierenden Soldaten.
Ai Weiwei ließ alle Bodenplatten des Mittelraumes abfotografieren und danach in China genaue Kopien aus Teppichen anfertigen. Trat man auf den Teppich, verschwand plötzlich des Geräusch der Schuhe auf den Bodenplatten, um so Ai Weiweis Ablehnung dem Totalitarismus Ausdruck zu verleihen.

Weitere Impressionen dieser Ausstellung finden Sie unter im Webalbum SO SORRY

Wer mehr an diesem Thema interessiert ist, wird auf dem Blog zu Ai Weiweis Ausstellung fündig: http://aiweiwei.blog.hausderkunst.de

Zu sehen war die Ausstellung:
Stiftung Haus der Kunst GmbH
Prinzregentenstrasse 1, 80538 München
Telefon +49 (0)89 21127-113
http://www.hausderkunst.de